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Wie ich zur Geburtsfotografie kam

 

 

Bis zum Sommer 2013 wußte ich nicht einmal, dass es so etwas wie Geburtsfotografie gibt. Mir war nicht bewußt, oder ich kam nicht einmal auf die Idee, dass sich Menschen bei solch intimen Momenten fotografieren lassen. Dabei war ich selbst immer ganz unglücklich, dass ich von den ersten Momenten meiner Kinder nur ein paar unscharfe Polaroids hatte, die eine Krankenschwester oder Hebamme gemacht hatte. So gerne hätte ich mehr Erinnerungen davon gehabt. Man vergisst auch einfach so schnell und so viel.

Nun bekam ich 2013 eine E-Mail, noch dazu aus dem fernen Brasilien. Eine werdene Mama schrieb mich an, dass sie meine Fotos im Netz gesehen hatte und ihr diese gefielen. Sie fragte, ob ich auch Geburten begleiten würde, sie käme zur Geburt ihres Babys nach Deutschland und wollte hier entbinden.

 

Zugegebenermaßen war ich erst einmal etwas perplex. Wollte ich das? Konnte ich das? Was muss man da können? Was käme auf mich zu? Und was würde von mir erwartet werden?

 

Viel fand ich dazu auch nicht im Internet, vor allem in Deutschland schien es Geburtsfotografie nicht wirklich zu geben. Inspiration holte ich mir von niederländischen Fotografinnen und aus den USA, Länder, wo die fotografische Geburtsbegleitung angekommen und angenommen war.

Aber ja, ich wollte es machen. Nachdem ich so viele wundervolle Bilder gesehen hatte, wollte ich so etwas auch machen, dabei sein, Familien Erinnerungen schaffen.

Mir wurde bewußt, dass eine Geburt das einzige ist, was man niemals würde nachstellen können, das einzige, was wirklich "Der Moment" ist, unwiederbringlich.

Wir verabredeten uns ein paar Wochen vor der Geburt, und besprachen, was sie sich denn vorstellten.

Es sollten keine geschönten Bilder sein, sondern das pure Leben. Dezent im Hintergrund, aber dennoch sollten alle wichtigen Augenblicke festgehalten werden. Das war die Vorgabe, so war der Plan.

 

 

Früh morgens am 24. September bekam ich dann einen Anruf, es würde nun vermutlich losgehen, aber noch etwas abwarten und schauen, was die Hebamme sagt. So gegen 10 Uhr der finale Anruf, sie würden jetzt losfahren, immerhin brauchten sie auch über eine Stunde bis zum Krankenhaus. Um 11:30 Uhr kam ich im Kreißsaal an. Der war ganz hell und freundlich, später habe ich erfahren, dass das damals die erste Geburt in dem neuen Kreißsaal war. Die werdende Mami war gerade einmal 20 Minuten vor mir da. Im Kreißsaal herrschte bereits große Spannung, die Mami bereits im Vierfüßlerstand, die Wehen kamen oft und heftig. Der werdende Papa und die baldige Oma versuchen zu helfen, sind da, unterstützen so gut sie können, mit Worten und Taten.

Ich selbst habe nicht mehr wirklich nachgedacht, dazu kam ich gar nicht mehr. Man merkte, es ist fast soweit. Kamera raus und Momente und Atmosphäre festhalten.

 

Und es dauerte wirklich nicht mehr lange. Die Hebamme ließ noch schnell den Arzt kommen und knapp 20 Minuten nach meinem Eintreffen war das Baby schon da. In Empfang genommen von dem strahlenden Papa, der auch die Nabelschnur durchtrennte. Wichtig war der Mama z.B. auch, dass sie Fotos von der Plazenta bekommt. Das sind Dinge, die man vorher alle bespricht, was den Eltern wichtig ist, was nicht fehlen sollte.

Selbst habe ich in diesem Momente eine Gänsehaut gehabt, und ich merkte, dass mir die Tränen schon ganz weit oben standen. Es war so wunderschön und ergreifend dabei sein zu können.


Und dann das Ultimative, der erste Atemzug, der erste Schrei, die Untersuchung des Kinderarztes und der Hebamme. Wiegen, Messen, Fußabdruck.

Aber nicht zu vergessen, die vielen persönlichen Momente. Die überglückliche Oma strahlte vorher schon, aber nachher noch viel mehr, und der Papa gab seiner Tochter einen ersten Kuss.

Nach der Versorgung von Mama und Baby das Kennenlernen, Kuscheln, erstes Anlegen. "Maus", so wird sie bis heute genannt, bekam ihre ersten Anziehsachen von der Oma angezogen. Und mit einem Familienbild endete für mich mein Auftrag. Man lässt die Familie dann auch Familie sein.

Für mich war das bis dahin das tollste, das berührenste, das emotionalste, was ich als Fotografin erleben durfte. Und ich wußte, das möchte ich weiterhin machen.

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